Newsletter abonnieren

Jetzt oder morgen

Lisa Weber | AT 2020 | 90 min

Kinostart: 15.10.2021

Gerne organisieren wir auf Anfrage SchulvorfĂŒhrungen mit GesprĂ€chsmöglichkeit mit Regisseurin Lisa Weber!

»Wenn sich keiner fĂŒr mich interessiert, warum soll ich mich dann fĂŒr irgendwas interessieren?« 

Claudia ist mit 14 schwanger geworden, ihr Sohn Daniel war lange die Ausrede, wieso sie nie die Schule abgeschlossen hat, wieso sie sich nie einen Job gesucht hat. Mittlerweile besucht Daniel den Kindergarten und Claudia muss nicht mehr stĂ€ndig auf ihn aufpassen. Sie könnte endlich ihren Schulabschluss nachholen, könnte sich endlich einen Job suchen. Stattdessen tut sie nichts, es wirkt fast so als wĂŒrde sie auf etwas warten. Aber worauf?

Gemeinsam mit Daniel, ihrer Mutter Gabi und ihrem Bruder Gerhard lebt sie in einer Gemeindebauwohnung in Wien Simmering. Gabi und Gerhard haben ebenfalls keinen Job, alle beziehen Sozial- und Notstandshilfe. Dass ihr Leben großteils zuhause auf engstem Raum stattfindet, fĂŒhrt manchmal zu Streit, stĂ€rkt aber auch den Familienzusammenhalt. Man sieht gemeinsam fern, man dreht Zigaretten, man raucht Zigaretten. Man macht sich gegenseitig die Haare, man döst, man schlĂ€ft, man feiert Geburtstag. Und manchmal fĂ€hrt Gerhard stundenlang am Simulator LKW. »So viel Zeit und kein Leben« , sagt er dann und grinst verschmitzt.

Was bleibt, wenn Arbeitslosigkeit und soziale Herkunft die Hoffnungen auf eine andere Zukunft verstellen? In der immer wieder aus dem Off erklingenden Ballade »When You Believe«  von Whitney Houston und Mariah Carey, finden diese WĂŒnsche und SehnsĂŒchte ihren Ausdruck. Diese Momente sprechen von Liebe und Zusammenhalt da, wo Perspektivlosigkeit vorzuherrschen scheint.

JETZT ODER MORGEN ist ein Film ĂŒbers Leben und ĂŒbers Warten darauf. Über Luftschlösser, Lethargie und Langeweile. Abseits der ĂŒblichen Reality-TV-Klischees spĂŒrt Lisa Weber dem nach, was passiert, wenn scheinbar nichts passiert. Und findet Menschen, die einen rĂŒhren, zum Lachen bringen und schockieren. Und die einem in den 90 Minuten ans Herz wachsen. »Bei allen Defiziten, die es in der Familie gibt, gibt es andere Dinge, die wiederum sehr gut funktionieren«, so die Regisseurin: »Liebe.«

»Eine kostbare Perle bei dieser Viennale. Dieser Film ist Anti-TV. Seine Sensation entsteht durch die Sensationslosigkeit
 So machtvoll kann „Reality-TV“ (oder eben „Reality-Kino“) sein – und so wertschĂ€tzend.« ORF

»Lisa Weber legt ihre dokumentarische Familienstudie radikal unspektakulĂ€r an, mit exzellentem Blick fĂŒr Zwischentöne und schwelende Konflikte.« Profil

»Der Film lebt von einer irren IntimitĂ€t
.Das Tolle daran ist, dass der Film wirklich erzĂ€hlt, wie die Arbeiterklasse – von der Politik verlassen – auf sich allein gestellt ist und daran scheitert, in eine auf Wettbewerb ausgerichtete Arbeitswelt zurĂŒckzukehren
. Ein Film ĂŒber den fehlenden Glauben an sich selbst und die Schwerkraft der Herkunft. MitfĂŒhlend ohne parteiisch oder manipulativ zu sein. Ein Film der ganz viel davon erzĂ€hlt, warum Österreich politisch da steht, wo es eben gerade steht.« Dominik Kamalzadeh im STANDARD-Podcast „FilmĂŒberraschung des Jahres“

»Aus den zum Teil ornamental anmutenden Bildern dringt dennoch eine ganze Menge: große EmotionalitĂ€t, Herzlich- und Ratlosigkeit, Mariah Carey und Whitney Houston.« Diagonale

»An manchen Tagen betraten Weber und ihr Team die Wohnung und bauten ihr Equipment auf, wĂ€hrend die Familie noch schlief. Das sind die intimsten Momente des Films. Einmal ist zu sehen, wie Claudia und ihr Sohn sich an den HĂ€nden halten, wĂ€hrend sie schlafen, die Gesichter der beiden sind einander zugewandt. Zusammen trĂ€umen, bevor alles von vorn beginnt, KippenfrĂŒhstĂŒck, Kita, schmusen. Die tĂ€gliche Frage, ob es fĂŒr immer so weitergeht, das schmerzliche GefĂŒhl: Wenn ich nicht relevant bin fĂŒrs System, dann ist das System vielleicht nicht relevant fĂŒr mich.« Der Spiegel